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Die Kreuzband - OP - von Stephanie Wolf
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04.10.05
Heute hatte Danu vorerst ihre
letzte Physiotherapie-Stunde, denn nach der OP werden wir wohl erst
mal ein wenig mit dem Schwimmen aussetzten müssen. Ich glaube
nicht, dass Danu das sonderlich schlimm findet – Schwimmen ist
nicht gerade ihre große Leidenschaft. Allerdings findet sie die
anschließende Massage unter Rotlicht dafür umso toller und
schläft dabei sogar fast ein. Wie lange wir aussetzen müssen
wissen wir noch nicht, ich hoffe aber, es wird nicht allzu lange
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 Danu mit ihrer Physiotherapeutin
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dauern, denn ich habe den Eindruck, es hilft ihr wirklich.
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06.10.05
Der letzte Tag vor der OP. Während ich die ganze Woche
erstaunlich ruhig war, steigt meine Nervosität jetzt doch langsam
an. Ich habe etwas Angst vor der OP, auch wenn ich großes
Vertrauen in die Ärzte der Klinik in Hofheim habe. Jede Narkose
beinhaltet ein gewisses Risiko, dazu kommt, dass das richtige Ausmaß
von Danu's Kreuzbandriss erst ersichtlich wird, wenn das Knie offen
ist. Ich
weiß nicht vor was ich mehr Angst habe?! Vor der OP oder vor
der Zeit danach. Meine größte Sorge gilt diesen Jungspund
ruhig zu halten, aber vielleicht (hoffentlich) wird alles einfacher
als befürchtet. Nichts desto trotz haben wir einige
Vorbereitungen getroffen, so wurde ein Teil des Zimmers abgetrennt
(damit Danu nicht wie ein Dolle durch die Wohnung fegen kann) und das
ein oder andere Spiel für die "geistige Beschäftigung"
wurde gekauft oder einfach selbst gebastelt.
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 Danu am Tag ihrer OP
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07.10.05
Heute ist es soweit und wir machen uns auf nach Hofheim in die
Klinik. Danu weiß noch nicht was sie erwartet, ist nur erstaunt
darüber, dass sie das Haus verlassen muss, ohne Futter zu bekommen
– in ihren Augen eine bodenlose Frechheit. Um
kurz nach 9 Uhr wird unser Name aufgerufen, mein Herz häm-
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mert wie verrückt, könnte ich Danu doch nur erklären was
nun passiert und das alles nur zu ihrem Besten geschieht. Im
Behandlungszimmer müssen wir noch ein wenig warten und mit einem
flauen Gefühl im Bauch betrachte ich die vorbereiteten Spritzen
und den Stauschlauch. Der Tierarzt und eine Helferin kommen und Danu
flüchtet erst mal unter einen Stuhl, sie weiß, hier hat
man ihr bis jetzt meistens weh getan. Ich
werde über die Narkose aufgeklärt und werde etwas ruhiger.
Danu wird während der gesamten OP mit Hilfe von Monitoren
überwacht. Herzschlag und Sauerstoff- sättigung werden somit
ständig kontrolliert, um bei Bedarf schnell einschreiten zu
können. Sie soll eine Inhalationsnarkose bekommen, d.h. sie
bekommt einen Tubus in die Luftröhre gelegt. Dies geschieht
allerdings erst später – wenn ich nicht mehr bei ihr bin. Eine
Kanüle wird gelegt und ich bin mächtig stolz auf mein
Mädchen, sie lässt sich alles mit einer Ruhe gefallen, die
ich selbst nicht erwartet hätte.
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Als
sie das Narkosemittel gespritzt bekommt, dauert es keine 5 Se- kunden
und Danu liegt schlafend in meinen Armen – ich hoffe sie träumt
schön. Sie
jetzt einfach so alleine zu lassen, fällt mir schon schwer und
mir steigen die Tränen in die Augen, als sie auf dem Tisch in
den OP geschoben wird. "Passen
sie gut auf sie auf" sage ich und muss dabei schon sehr schlucken. Es
ist schon ein komisches Gefühl, ohne Hund aus der Klinik zu
gehen –
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 Danu einen Tag nch der OP
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nur mit der Leine in der Hand. Man würde mich sofort
anrufen, wenn ich sie holen könnte, ich könnte ja in dieser
Zeit ein wenig einkaufen gehen – die haben Nerven. Aber
irgendwas muss ich tun, also fahre ich zu IKEA, einen Teppich kaufen
für Danu, denn das Aufstehen auf den Fliesen wird ihr mit ihrem
kranken Bein in Zukunft sicher nicht leichtfallen. Ständig
kontrolliere ich ob, mein Handy Empfang hat und weiß nicht, ob
ich auf ein Klingeln hoffen soll oder lieber nicht. Um
kurz vor 11 Uhr treffe ich wieder in der Klinik ein und sage am
Empfang Bescheid, dass ich wieder da bin und im Auto warte. Um
mich abzulenken, lese ich weiter in meinem Buch, aber das hätte
ich mir sparen können, denn ich musste die Seiten später
noch mal lesen, weil nichts von dem was da stand, bei mir angekommen
ist. Irgendwann
höre ich jemanden meinen Namen rufen, "Viel zu früh"
denke ich (man sagte mir was von drei Stunden) und meine Knie werden
weich wie Butter... ...aber
meine Befürchtungen sind Gottseidank völlig unbegründet,
Dr. Kosfeld wartet schon im Behandlungszimmer und teilt mir die frohe
Nachricht mit, dass alles gutgegangen ist. Ihr
Kreuzband war zu 50% durchgerissen, der Meniskus glücklicherweise
unbeschadet. Die gerissenen Teile wurden entfernt, der Rest stehen
gelassen, um dem Knie zusätzlichen Halt zu geben. Zusätzlich
wurde eine Kapsel- und Faszienraffung durchgeführt und der
Meniskus bekam einen kleinen Entlastungsschnitt, um der Bewegung
besser Folgen zu können. Eine Arthrose habe sich noch nicht
gebildet.
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 Beschäftigungstherapie
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Ich
bin total erleichtert und will nun endlich wieder zu meinen Hund.
Aber ich muss noch mal gut eine halbe Stunde warten, dann endlich
wird sie von den Helferinnen gebracht. Laufen kann sie zwar noch
nicht, aber sie erkennt mich schon wieder und leckt mir über die
Hand – ich könnte heulen vor Glück. Ihr
rechtes Hinterbein hat einen großen Verband verpasst bekommen –
Blau ist er, meine Lieblingsfarbe – aber das ist Danu sicher ganz
wurscht, denn sie hat Schmerzen.
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Im
Auto schreit sie, dass es mir das Herz zerreißt, sie merkt, dass
da was mit ihrem Bein nicht stimmt und sie ist sowieso ein wenig
empfindlich. Die Nachwirkungen der Narkose kommen noch dazu, Danu weiß im Moment nicht, was mit ihr geschehen ist. Auf
der Fahrt nach Hause nehmen wir jede Kurve im Schneckentempo, sie
jammert oft, obwohl sie sich nicht bewegt und ich beginne zu
zweifeln, ob die OP die richtige Entscheidung war – aber nun ist
es eh zu spät. Zu
Hause angekommen, legen wir sie auf ihre Decke, bei jeder Berührung
schreit sie, dass ich mich fast gar nicht traue, sie anzufassen. In
meiner Verzweiflung rufe ich wieder in der Klinik an, frage, ob es
sein kann, dass sie so Schmerzen hat. Man versichert mir, das sie
Schmerzmittel bekommen hat und das jetzt alles erst mal neu und
ungewohnt für sie ist und wir uns alle erst mal mit der
Situation zurechtfinden müssen. Da
sie das letzte mal vor der OP ihr Geschäft gemacht hat, bringe
ich sie raus in den Garten, aber das gestaltet sich schwieriger, als
ich gedacht habe, denn sie will auf keinen Fall auch nur einen
Schritt gehen. Sie kommt mit ihrem Bein, dass aussieht wie ein
Holzbein, überhaupt nicht zurecht und ich frage mich, wie das
alles werden soll. Ich
rufe meine Hundephysiotherapeutin an, die mir Nahe legt, den Hund
einfach total in Ruhe zu lassen, wenn sie dringend muss, wird sie
sich melden und falls nicht, halt auf die Decke machen – damit kann
ich Leben. Inzwischen
ist es neun Uhr abends und Danu hat immer noch nicht ihr Geschäft
gemacht, ich mache mir große Sorgen. Aber dann, beim letzten
Gang in den Garten - endlich das erleichternde Geräusch von
einem Hund der pinkelt. Ich hätte nie gedacht, dass man sich
darüber so freuen kann...
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08.10.05
Der erste Tag nach der OP.Die Nacht war erstaunlich ruhig, sie
akzeptierte sogar ihren Trichter ohne große Schwierigkeiten.
Auch wenn sie bisher große Probleme hat mit Hinlegen und
Aufstehen, macht sie Fortschritte. Wenn sie erst mal steht (wobei ich
ihr helfe), kann sie inzwischen gut auf drei Beinen in den Garten
hoppeln und ein Kothäufchen haben wir ausch schon (wenn auch mit ein wenig
Akrobatik) hinbekommen. Meine Befürchtungen, ich müsse sie
ruhig halten, haben sich bisher absolut nicht erfüllt, ganz im
Gegenteil, jetzt mache ich
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 Ob da was leckerer versteckt ist ?!
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mir Sorgen, weil sie den ganzen Tag nur
daliegt und scheinbar an nichts auch nur das kleinste Interesse
zeigt. Nicht mal ihre so geliebten Suchspiele, die ich so umgestaltet
habe, dass sie es auch im Liegen spielen kann, scheinen sie zu
begeistern. Sie
liegt den ganzen Tag an ihrem Platz und zeigt uns deutlich, dass sie
lieber in Ruhe gelassen werden will. Eine Situation, die wir seit dem
Einzug von Danu überhaupt noch nicht hatten. Auch
wenn ich sehr besorgt bin, lasse ich ihr die Ruhe, es sind gerade mal
24 Stunden nach der OP und ich denke, mit jedem Tag wird auch eine
Besserung eintreten. Unsere
Fortschritte für diesen Tag lauten also: haben unser Geschäft
gemacht, laufen inzwischen gut auf drei Beinen, haben Futter genommen
und die Schmerzen scheinen auch deutlich besser geworden zu sein. Das
ist doch schon was oder?!
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Tag
3-9 nach der OP Danu ist fast schon wieder die Alte und
inzwischen können wir alleine Aufstehen - trotz "Holzbein".
Ich schmiere jeden Tag mehrmals die Ränder des Verbands ein,
damit nichts wund wird.
Wir
haben nun auch wieder den normalen "Geschäfte machen"
Rhythmus, sie schläft sehr viel, was uns wirklich erstaunt –
wir hatte es uns schlimmer vorgestellt. Aber was nicht ist, kann ja
noch werden... Den
ersten Verbandwechsel haben wir auch schon hinter uns und dabei im
Warte- zimmer einige mitleidige Blicke geerntet. „Hat er sich das
Bein gebrochen“ ...nein... sie hat sich das Kreuzband gerissen –
beim Skifahren. Beim
Verbandwechsel sehe ich dann auch zum ersten mal die Narbe. Nicht
gerade klein, aber schon ganz toll verheilt...blaue Fäden.
 Danu nach Verbandswechsel im Garten
Tag
10-15 nach der OP Jetzt hatte
sich Danu so gut an ihren Verband gewöhnt und nun kommt er auch
schon wieder runter. Inzwischen hat sie sicher geglaubt das "Ding"
würde nun zu ihr gehören, auf jeden Fall gibt es nichts
mehr was sie nicht kann – selbst Katzen ärgern geht schon
wieder. Was
bin ich froh, dass das Ding runter kommt... Danu
ist allerdings von dieser Aktion gar nicht begeistert – nicht nur,
dass die Haut unter dem Verband wegen eines Klebestreifens wund ist
und nun brennt, nein, sie muss sich nun schon wieder an ein ganz
neues Körpergefühl gewöhnen. Zum ersten Mal muss ich
ihr nun auch tagsüber den Halskragen anziehen, denn sie
leckt und beißt sich ständig. Ich kann es ihr nicht mal
verübeln, die Haut ist wirklich wund und somit ist wieder
schmieren, schmierenund nochamls schmieren angesagt. Die
ersten zwei Tage, nachdem der Verband runter ist und die Fäden
gezogen sind, macht sie erst mal wieder einen auf Depri – die
muss denken wir haben sie nicht mehr alle
"Wissen die bald was sie wollen"?!?
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 Äusserlich fast nichts mehr zu sehen...
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Tag
16-24 nach der OP Nach 2-
tägiger Trotzphase und einem Bein, was dünn und haarlos mehr
oder weniger nutzlos am Körper hängt, beginnt Danu nun
langsam das Bein wieder zu belasten. Zuerst
ganz vorsichtig – nur auf den Zehenspitzen, aber mit jedem Tag ein
wenig mehr. Und jetzt ist es auch vorbei mit der Ruhe! Sie will
springen, toben und flitzen, darf es aber nicht. Also muss Frauchen
ran und sich was ausdenken – Beschäftigungstherapie ist
angesagt. Danu nutzt das natürlich voll aus und meint, den ganzen
Tag müsse sich alles nur um sie drehn, dabei kann sie hundemüde
sein – nein - wach bleiben ist die Devise, nur nichts verpassen. Da
wir nun nach drei Wochen auch endlich mal wieder für 5 Minuten
spazieren gehen dürfen, fahre ich mit ihr öfters mal ins
Feld. Danu muss ja auch mal was anderes sehen als nur ihren
Garten und 100 Meter Feld und Strasse in jede Himmelsrichtung. Wenn
wir dann nach 5 Minuten kehrt machen versteht sie die Welt nicht mehr
„Hey Leute, war das schon alles“. Ja
Danu, dass war alles! Und genauso langsam
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wie ihre Haare an den
Beinen nachwachsen, dürfen wir die Spaziergänge nun ganz,
ganz langsam steigern. Und
morgen ist endlich wieder die erste Physio nach der OP – ich hoffe
auf einen müden Hund...
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Copyright (c) 2005 by Stephanie Wolf.
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