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Twister
und der Wesenstest |
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Twister wurde als Welpe von einem (deutschen)
Tierschutzverein vermit- telt. Er lebte in einer Familie und außer
Bällchenspielen und kleinen Kunststücken hat er wohl nur wenig gelernt; wurde
von Nachbarskindern am Zaun geärgert. Eines Tages kletterte eines dieser Kinder
über den Zaun und Twister hat ihm den Anorak ruiniert und es hatte wohl auch
ein paar blaue Flecke. Weil sein Herrchen keinen Schadensersatz leisten wollte,
wurde Twister an- gezeigt. Das Ordnungsamt verfügte Maulkorbpflicht und Leinenzwang
und einen Wesenstest; genau wie bei anderen Hunden, die auffällig geworden sind.
(Inzwischen geraten viele
Hunde in die "Mühlen" der Bürokratie. Jeder Hund bzw. dessen Halter
kann beim Ordnungsamt angezeigt werden, weil der Hund vermeintlich oder real jemanden angefallen hat.)
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 Twister
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Beim Wesenstest muß der
Hund diverse Situationen bewältigen. Zunächst wird er vermessen, evtl. gewogen,
die Chip-Nummer abgelesen, Gebiß und Ohren untersucht, ggf. abgetastet. Danach
geht er an der Leine und unvorbereitet fliegt ihm eine Mappe entgegen, ein
Regenschirm spannte sich auf, ein Mensch mit Gehhilfe kommt, diverse Hunde
passieren seinen Weg. Ein Kind springt, rennt vor ihm herum, jmd. flüchtet vor
ihm, torkelt. Danach wird der Hund
irgendwo angebunden, der Halter hat sich außer Sichtweite zu begeben und der
Hund wird vom Prüfer provoziert. Über starres Anblicken, übersteigen,
gespieltes Zuschlagen und danach hat sich der Hund wieder "neutral" dem Prüfer gegenüber zu verhalten. Hat
man das überstanden, geht es in den öffentlichen Raum, d.h. i.d.R. vor ein
Einkaufszentrum. Zunächst muß der Hund an etlichen Fahrzeugen vorbei, die ein-
oder ausparken und dann vor den Eingangsbereich eines Geschäftes, wo Leute
passieren, mit und ohne Taschen, Kinder mit und ohne Essbarem, scheppernde
Einkaufswagen, Kinderwagen etc.
Twister hatte wenig
gelernt und nur wenig gesehen. Den ersten Teil, also Begutachtung und
Provokation, bestand er. Aber im Einkaufszentrum reagierte er über und ging auf
Menschen und Hunde los. Er hat den Wesenstest nicht bestanden. Daraufhin ging er wieder
in das Eigentum des Tierschutzvereines über, von dem er als Welpe vermittelt
worden war. Ich nahm ihn in Pflege. Dabei mußte ich mich darauf einstellen,
innerhalb weniger Wochen mit ihm einen 2. Wesenstest zu laufen. Ich bemühte
mich um einen Prüfer, der bereit war einen solchen 2.Wesenstest abzunehmen und
mußte erkennen, daß es ausgesprochen schwierig werden würde. Ich hörte mehr als
einmal, daß in Hessen Hunde nach einem vermasselten Wesenstest "eingezogen"
werden würden, daß ein 2. Wesenstest ein sehr schwieriges Unterfangen sei, der
1. Wesenstest ggf. gerichtlich angezweifelt werden müßte.
Gleichzeitig übten wir,
obwohl alles sich so schwierig gestaltete. Twister trug Maulkorb und blieb an
der Leine. Er hatte sich in kurzer Zeit an meine beiden Hündinnen gewöhnt; er
erwies sich als "Kampfschmuser" mit massivem Schutztrieb - aber
nichts anderes hatte er gelernt. Er hatte gar nichts gelernt und ein solcher
Hund braucht eine Aufgabe; bekommt er keine, sucht er sich eine. Alle meine Bekannten (vor
allem Steffi und Ulli) haben mit mir/uns geübt - und ich fand über eine
Bekannte der TH Fuerteventura (Twister ist kein Hund aus Fuerteventura!!!) eine
engagierte Hundetrainerin und einen Prüfer. Twister, der anfangs keine 5
Minuten vor einem Einkaufszentrum bleiben konnte, lernte es über 30 Minuten
auszuhalten. Lernte an anderen Menschen und Hunden vorbeizugehen, erfuhr
Jogger, Inlineskater und Bedrohungen und lernte sie zu akzeptieren. Wir standen
vor Schulen und Kindergärten; haben alle Bekannte mit Kindern
"engagiert" und Twister hat alle mit Maulkorb kennen gelernt. Er fing
an Kinder zu mögen, kam auf Flohmärkten gut zurecht. Er bekam Aufgaben.
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Wir hatten den 2.
Wesenstest mit dem 1. Prüfer (also dem, bei dem er bereits einmal durchgefallen
war), wobei alles mit
Videokamera gefilmt wurde, weil alles festgehalten werden mußte, was dieser
Hund tut oder auch nicht, immerhin war er schon einmal als "aggressiv"
aufgefallen. Da die Aggression gerade gegen Kinder bekannt war, fand die
Prüfung am Nikolaustag statt. Mir zur Seite standen die Hundetrainerin und die
Frau, von der ich Twister zur Pflege bekommen hatte.
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 Twister,
Pai und Donna
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Ich war am Zittern und
baldrian-bedröhnt - fast kein Mensch mehr. Alle Situationen waren mit Maulkorb
geübt absolut o.K. Er hatte nicht mehr überreagiert, war durch sämtliche Märkte
der Stadt und Umgebung "gezogen" worden, war auf der Messe und in der
Innenstadt. Twister kam ohne Maulkorb
aus dem Auto, ich war am Zittern und zuckte immer wieder zusammen. Keine gute
Voraussetzung! Als erstes mußte Twister
o.g. Provokationen vor einem Hundevereinsgelände bestehen. Danach fuhren wir
zum Einkaufszentrum und Twister war ruhig. Er sollte im "Steh"
bleiben, weil ein Hund so am ehesten "vorgeht". Twister stand, sank
ins Sitz und dann ins Platz. Er kannte das alles. Kinder liefen vor ihm herum.
Als der Nikolaus uns ansprach, bin ich fast ohnmächtig geworden. So ein Mensch
mit solch einem Bart, einem solchen Kostüm
- das konnten wir nicht üben, für mich eine reale Katastrophe, aber
Twister war es egal! Er wollte weg und guckte immer wieder nach dem Motto:
Frauchen laß es gut sein, laß uns gehen! Twister hat den Test
bestanden. Ich mußte noch die Sachkundeprüfung ablegen (= Erlaubnis für den Halter, diesen Hund zu
führen); das bedeutet, daß man mit dem Hund einige Unterordnungsübungen machen muß
und ein paar Fragen beantworten. Die Fragen sind im Internet zu finden. auch ich habe bestanden.
Kurz darauf habe ich ihn
übernommen. Ich wollte ihn anfangs in die Vermittlung geben. Aber: er ist nicht
"einfach" - er ist ein Arbeitshund, der immer viel zu tun haben muß.
Es ist nicht einfach solch einen Hund zu vermitteln, noch dazu war er bereits
Monate bei uns. Das Risiko ihn in "inadäquate" Hände zu vermitteln -
ist zu groß! Er ist ein phantastischer Hund, eine "Kampfschmuser", aber
ein Arbeitshund!!! Unbeschäftigt würde er wieder "aggressiv" werden.
Wir machen Unterordnung, DogDancing, Apportieren, Frisbee, was auch immer. Und
danach macht er mit Pai den Garten "platt" - ein Hund, der seine 2. Chance hat - und die hat er sich
verdient!!!
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F
a z i t:
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Ein Wesenstest ist
schwierig. Er bedarf der Vorbereitung. Jeder Hund bzw. Halter
kann "angezeigt" werden! Das Ordnungsamt wird dann einen Wesenstest
veranlassen. Bis zu diesem Test wird der Hund einen Maulkorb tragen und an der
Leine bleiben müssen. Sollte man in die Situation
kommen, sollte man sich unbedingt über Prüfer und Prüfungsmodalitäten
erkundigen. Man kann sich und seinen
Hund vorbereiten und man sollte es tun. Am besten ist es natürlich, wenn der
Hund von klein auf lernt mit o.g. "Provokationen" zu leben, d.h.
Umgang mit Artgenossen, auch mal ein Spaziergang in der Stadt, Hundeschule. EVA
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Copyright (c) 2005 by Stephanie Wolf.
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